19.Obituary, Allgemeine musikalische Zeitung. No 47, August 21, 1805.

Vor zwey Monaten starb in Madrit Luigi Boccherini, fast 70 Jahr alt. Er war wirklich einer der ausgezeichnetsten Instrumentalkomponisten seines Vaterlands, Italiens. Gegen die Gewohnheit seiner Landsleute ging er mit der Zeit und der Ausbildung der Tonkunst auch in Deutschland fort, und nahm von den Fortschritten derselben, besonders in wiefern sie von seinem alten Freunde, Joseph Haydn, bewirkt oder veranlasst wurden, in sein Wesen auf, so viel ohne Verleugnung seiner Individualität geschehen konnte. Italien schätzt ihn Haydn, in den Quartetten und ähnlicher Musik beyder, wenigstens gleich; Spanien, wo er den größten Theil seines thätigen Lebens verbrachte, zieht ihn dem deutschen Meister, den man dort zuweilen zu gelehrt findet, in manchen seiner Werke noch vor; Frankreich achtet ihn hoch, ohne ihn Haydn gleichstellen zu wollen, und Deutschland scheint, in seiner jetzigen Vorliebe für das Schwierigere, Künstlichere, Gelehrtere, ihn noch zu wenig zu kennen: wo man ihn aber kennet und besonders den melodischen Theil seiner Werke zu geniessen und zu würdigen verstehet, hat man in lieb und hält ihn in Ehren. Er hat bis an's Ende seines Lebens geschrieben, und erst vor kurzem sind schätzbare Quartetten und Quintetten von ihm in Paris herausgekommen. Die Zahl seiner Werke (fast nur Instrumentalmusik von der Sonate bis zum Quintett) ist sehr gross. Ein besonderes Verdienst um die Instrumentalmusik Italiens, Spaniens, und wohl auch Frankreichs, erwarb er sich auch dadurch, dass er der Erste war, der dort Quartetten, worin alle Instrumente obligat gearbeitet sind, schrieb; wenigstens war er der Erste, der mit solchen dort allgemeine Eingang fand. Er, und bald nach ihm Pleyl [sic] in seinem frühestem Werken, machten dort mit der angegebnen Gattung der Musik noch eher Aufsehen, als Haydn, vor dem man sich damals noch scheuete. Er war ausserdem in früherer Zeit ein trefflicher Violoncellist, der besonders durch unvergleichlichen Ton und ausdrucksvollen Gesang auf seinem Instrument bezauberte. Alle, die ihn gekannt haben, rühmen ihn auch als ein wackern, braven Mann, der seine Pflichten gegen Jedermann treulich zu beobachten gewohnt war.


Two months ago Luigi Boccherini, nearly seventy years old, died in Madrid. He was truly one of the most distinguished instrumental composers of his native land, Italy. Contrary to the custom of his countrymen, he progressed with the times and with the development of composition in Germany, in particular those developments inspired or invented by his old friend Joseph Haydn; but very much in his own style, without denying his own individuality. Italy esteems him at least equally with Haydn in quartets and similar music; Spain, where he spent the greater part of his working life, still values many of his works more than Haydn's, which are found sometimes too learned there; France regards him highly, without placing him equal to Haydn, and Germany seems, in its current fascination with everything difficult, artificial, and learned, still to know him too little; but where he is known, and particularly where the enjoyment and appreciation of the melodic element of his work is understood, he is beloved and honored. He wrote up to the end of his life, and estimable quartets and quintets by him have only recently appeared in Paris. The number of his works (nearly all instrumental, from sonatas to quintets) is very great. The instrumental music of Italy, Spain and even France profited especially by him, in that he was the first there to write quartets in which all the instruments play obbligato parts; at least, he was the first to find general acceptance there with such works. He, and shortly after him Pleyel in his earliest works, became, in this genre of music, admired somewhat earlier than Haydn, from whom people then shied away. He was also in his earlier days an exquisite cellist, who enchanted especially through his incomparable tone and expressive singing on his instrument. Everyone who knew him honored him as a gallant, upright man, accustomed to faithfully observe his duties to his fellow man.